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Sommer auf einer Getreidefarm ...

Die Ernte, das Farmleben und vieles mehr (2 Einträge)

Blick auf den Peace-River "Hofacker" Fuhrpark für die Ernte
486 mal angesehen
17.12.2016, 22.23 Uhr

Sommer auf einer Getreidefarm in Kanada!

Der Traum, wenigsten einige Monate in Kanada zu verbringen verfolgte mich schon seit vielen Jahren. Und eines wurde mir im Laufe der Jahre zunehmend bewusst, Träume sollte man mit aller Kraft verfolgen.

Was macht für mich den Reiz an Kanada aus? Die Antwort ist denkbar kurz: sehr Viel. Einerseits gab es da immer diese Natur-Dokumentation, die einem in eindrucksvoller Art und Weise die unberührte kanadische Natur vor Augen führen. Zum anderen unzählige Youtube-Videos über die unterschiedlichsten kanadischen Farmen, die einen die große Weite der Landwirtschaft in den Prärie-Gebieten vor allem im Westen Kanadas zeigen. Unterm Strich brennt sich einem eine gewisse Vorstellung mit vielen Bildern im Kopf ein, von einem Land in den man Arbeiten und Reisen möchte.

Zufällig bin ich dann im Jahr 2014 auf einen Betrieb in der Provinz Alberta gestoßen, der seit vielen Jahren mit deutschen Erntehelfern arbeitet. Es handelt sich dabei um einen Familienbetrieb mit inzwischen ca. 1900 Hektar Ackerland. Die Betriebsleiterfamilie ist dabei komplett englischsprachig und seit mehreren Generationen in Kanada ansässig – ein Detail, dass mir bei der Betriebssuche sehr wichtig war – in meinen Augen bringt einem das viel mehr an Erfahrung, sei es die Sprache und zum anderen einfach die typisch kanadische Mentalität die man kennen lernen darf.

Die Betriebsgröße ist für diese Gegend als guter Durchschnitt zu bezeichnen. Geführt wird der Betrieb über das Jahr hinweg allein von meinem Chef, er ist sozusagen die einzige Vollzeitkraft derzeit. Lediglich zu den Arbeitsspitzen, also zur Aussaat und für die Ernte wird mit Saisonkräften gearbeitet. Der Erntebetrieb kann im Normalfall mit 4 Kräften gestemmt werden – 2 Drescherfahrer, 1 Überladewagenfahrer sowie 1 LKW-Fahrer der im fliegenden Wechsel die beiden Sattelschlepper fährt. Der gnadenlose Vorteil dieser Betriebsgröße ist, dass man nicht einer von vielen Arbeitskräften ist, nicht eines von 20- 50 Gesichtern wie vielleicht auf richtig großen Farmen. Trotz der fast 2000 ha bleibt alles familiär, und man wird individuell behandelt und für seine Arbeit geschätzt. Zudem steht einen der Chef als ständiger Ansprechpartner zur Verfügung, der mit großen Vergnügen von seiner Erfahrung im kanadischen Ackerbau berichtet. Gleichzeitig ist er sehr interessiert an der deutschen Landwirtschaft. Dieses Miteinander, das gegenseitige Interesse und das mittlerweile freundschaftliche Verhältnis machen großen Spaß.

Aber zurück in das Jahr 2015.

Nachdem die ganze Organisation abgeschlossen war: Visum erhalten, Flug gebucht etc. ging es für mich nach Kanada…, am 1. August kam ich am Flughafen der rund 40.000 Einwohner zählenden Stadt Grande Prairie an und wurde von der Ehefrau meines Chefs freundlich empfangen. Die Ernte hatte in diesem Jahr sehr frühzeitig begonnen, somit war mein Chef zu diesem Zeitpunkt gerade damit beschäftigt die ersten Hektar zu dreschen. Nach rund 1,5 Stunden Autofahrt zur Farm wurde ich auch von meinem Chef mit großer Begeisterung begrüßt – standesgemäß auf dem Drescher mit dem er gerade die ersten Bahnen in den Erbsen zog.
Am folgenden Tag ging es dann für mich los mit der Arbeit. Relativ viel Erfahrung auf verschiedenen Maschinen hatte ich vor meiner Zeit in Kanada, mit einem Drescher war ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht vertraut. Ca. 4 Stunden verbrachte ich mit Ken, meinem Chef auf dem Drescher, zunächst als möglichst aufmerksamer Beifahrer, dann kurze Zeit später als Fahrer – Ken blieb für mögliche Fragen von mir noch an meiner Seite. Vieles war neu für mich, aber ein Gefühl für die Maschine stellt sich doch relativ schnell ein. Da alle Maschinen mit Funk ausgestattet sind waren auch kleinere Probleme z.B. mit den GPS-Einstellungen, die am Anfang unweigerlich auftreten schnellstens behoben. Generell ist zu sagen, dass man mit den wesentlichen Dingen (insofern man aufgeschlossen und interessiert ist) schnell vertraut ist, den Rest bringt die Erfahrung, die Stunden, die Tage und die Jahre die man im Fahrersitz und mit der Wartung vom Drescher verbringt. Was ich damit sagen will, auch von solchen „Details“ oder Berührungsängsten mit Maschinen, neuen Arbeitsabläufen, oder neuen Personen sollte man sich keinesfalls abhalten lassen, seine Träume zu verwirklichen. Ganz im Gegenteil – genau das ist ja der Grund, weshalb man so eine Reise antritt. Das Wort Reise sehe ich dabei mit doppelter Bedeutung belegt. Zum einem Reise im geografischen Sinne, in ein neues Land, auf einen anderen Kontinent, zu neuen Menschen, neuen Freunden die man kennenlernt und im Idealfall zu einem Anlaufpunkt den man sich fürs restliche Leben schafft und erhalten sollte. Zum anderen Reise im persönlichen Sinn, Reise im Sinne einer persönlichen Entwicklung. Man wird offener für neues, lernt sich mit neuen Situationen zu arrangieren und neue Herausforderungen zu stemmen, vieles im Leben ist vergänglich, aber derartige Erfahrungen kann einem niemand mehr nehmen!

Aber zurück zum betrieblichen Ablauf. Wie anfänglich beschrieben bestand unser Team im Jahr 2015 im Wesentlichen aus 4 Personen die vor Ort waren. Ich als Stammfahrer am Drescher, mein Chef in der Getreidelogistik (Einlagerung und Transport). Für den zweiten Drescher und den Überladewagenfahrer gab es in dieser Saison wechselnde Besetzungen, die je nach dem wie sie Zeit hatten eingesetzt wurden – unterm Strich war es ein hervorragendes Team, dass immer ein gemeinsames Ziel hatte und sehr sehr gut harmonierte! Nach wenigen Tagen Eingewöhnungszeit lief dann auch das Dreschen problemlos ab, man erwarb ein Gefühl für die Maschine, wie sie sich anhören und anfühlen muss und konnte den Drescher somit effizient mit hohen Durchsatz, bzw. hoher Flächenleistung bewegen. So machte das Arbeiten von Anfang an großen Spaß.

Soviel mal als grundlegender Ein – und Überblick. In folgenden Teilen werde ich dann evtl. genauer auf den Ernteablauf, sonstige Arbeiten, oder darauf was es bedeutet in einem Farmhaus in der kanadischen Prärie zu leben eingehen!

Vielen Dank fürs Lesen, und schöne Weihnachtszeit!
offline

Geschrieben von

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StefanS

StefanS

Alter: 25 Jahre,
aus Kulmbach
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Kommentare

20.12.2016 00:38 Leanne
Interessant beschrieben. ... teilw. richtig weise.
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