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Sommer auf einer Getreidefarm ...

Die Ernte, das Farmleben und vieles mehr (2 Einträge)

Farmhund Lucy Golfen... Auf dem Fluss...
527 mal angesehen
05.01.2017, 21.20 Uhr

Das Leben in der kanadischen Prärie…


Nachdem ich im ersten Blogeintrag einen allgemeinen Überblick gegeben habe, möchte ich nun zunächst darauf eingehen, was es bedeutet in der kanadischen Prärie zu wohnen… und dabei auf die äußerst angenehmen Seiten, aber auch auf die Schattenseiten eingehen.

In meiner ersten Erntesaison in Kanada habe ich in der ca. 30 km von der Farm entfernten Stadt gewohnt. Der Ausdruck Stadt ist hierbei allerdings relativ zu sehen, mit gut 3000 Einwohnern in Deutschland eher ein größeres Dorf. Die nächste wirkliche Stadt ist ca. 120 km von der Farm entfernt und hat 55.000 Einwohner. Diese Stadt ist auch der Anlaufpunkt wenn es darum geht speziellere Einkäufe zu tätigen, also Kleidung oder ähnliches.

In der letztjährigen Saison wohnte ich dann zusammen mit einem anderen Erntehelfer im Farmhaus. Mein Chef bewohnte dieses Farmhaus selbst lange Jahre mit seiner Familie, alle seine 3 Kinder sind auf der Farm aufgewachsen. Mittlerweile bewohnt er ein Haus in 15 km Entfernung zur Farm.
Mein Chef war gespannt, was mir mehr zusagen würde, da ich der erste seiner Erntehelfer war, der beide Seiten kennen lernen durfte, das Leben in der Stadt und das auf der Farm. Eins war mir schnell klar, die täglichen 30 km Anfahrtsweg von der Stadt zur Farm bzw. retour würde ich nicht vermissen…speziell an langen Arbeitstagen eher nervig.

Das Leben in der Prärie ist eher einfach gestrickt. Aufgrund der absolut geringen Bevölkerungsdichte ist die Infrastruktur, bzw. die Versorgung denkbar einfach ausgeführt. Alle Straßen, auch der Highway, sind außerhalb der Stadt als „Gravel-Roads“ ausgeführt…, also Schotterstraßen. Die Stromversorgung erfolgt über einfache Überlandleitungen. Wasserversorgung in Form von Fernwasser gibt es nicht. Die Wasserversorgung erfolgt über sogenannte „Dugouts“…, also meist rechteckige Erdbecken die in den Boden gegraben werden und relativ großzügig dimensioniert sind. Das Wasser sammelt sich in erster Linie während der Schneeschmelze bzw. in den Wintermonaten an…oder entstammt den in den Sommermonaten mehr oder weniger selten auftretenden Niederschlägen. Das Wasser wird nachfolgend in das Farmhaus gepumpt und entsprechend gefiltert, bzw. aufbereitet und kann dann genutzt werden…, lebensmitteltauglich ist dieses Wasser allerdings nicht. Für Trinkwasser oder den Zweck der Nahrungsmittelzubereitung muss Wasser aus der Stadt gekauft werden, Wasserspender gehören zu den klassischen „Einrichtungsgegenständen“ in der Prärie. Die Wasserversorgung ist in meinen Augen eigentlich mit das größte Manko des Prärielebens. Klar gibt es noch einige andere Beschwerlichkeiten…, Annehmlichkeiten des 21. Jahrhunderts sind nur beschränkt bzw. relativ teuer zu erhalten, einen DSL-Standard wie in Deutschland sollte man sich nicht erwarten…;)

Was sonst macht das Farmleben aus?

Klassischerweise gibt es auf fast allen Farmen einen oder mehrere Farmhunde. Auf „unserer“ Farm sind Kelly und Lucy zuhause. Normalerweise verbringen diese Hunde das ganze Jahr im Freien – im Winter natürlich mit Rückzugsmöglichkeit in warme Räume, wobei die Hunde lt. Aussage meines Chefs erst ab Temperaturen von unter -40°C die beheizte Werkstatt nicht mehr verlassen. Einerseits ist es schön die Hunde an der Farm zu haben, es bringt etwas mehr Leben aufs Betriebsgelände. Der eigentliche Hintergrund der Hunde liegt aber darin das „Wildlife“, also Kojoten, Bären usw. von der Farm fernzuhalten. Zu den Nächten gehört entsprechend häufiges und lautes Gebelle der Hunde dazu, aber da gewöhnt man sich auch dran.

Aber eben dieses Wildlife, die häufige Sichtung von Wildtieren gehört irgendwo zum Prärieleben dazu und macht in meinen Augen auch einen speziellen Reiz aus. Vorallem in den frühen Morgenstunden kann man häufig Wapiti-Hirsche, Elche, Kojoten und andere Tiere beobachten. Auch Bärensichtungen von der Drescherkabine aus sind nicht unbedingt ungewöhnlich. Natürlich bringt jeder Vorteil auch meist einen Nachteil mit sich…, an das Farmgelände grenzt relativ viel Buschland an in dem unzählige Bären leben, somit ist in der Regel auch bei Sonntagswanderung mit Freunden oder der Familie des Chefs ein Gewehr als Selbstschutz dabei.

Aber auch wenn das Farmleben einige Einschränkungen und das Fehlen einiger Annehmlichkeiten bedeutet, so kann ich mich doch dafür begeistern. Speziell wenn man sich für Aktivitäten in der Natur erfreuen kann gibt es viele Beschäftigungsmöglichkeiten, insofern das Wetter halbwegs mitspielt.

Bei schönem Wetter bieten sich z.B. Flusstouren auf dem nahe gelegenen Fluss mit dem farmeigenen Jetboot an. In dieser Gegend ist fast jede Familie und jede Farm im Besitz eines Bootes. Auf dem Fluss kann man dabei entweder einfach nur abspannen und die tolle Landschaft genießen. Außerdem lässt sich vom Fluss aus auch sehr viel Aktivität der Wildtiere beobachten, speziell Bären lieben das Fließgewässer in ihrer Nähe. Natürlich bieten sich auch andere Aktivitäten wie etwa Wakeboarden an, wobei man bedenken muss, dass der Fluss aus den, Luftlinie nur wenige 100 km entfernten, Rocky-Mountains kommt und somit großteils von Gletscherwasser gespeist wird. Die Wassertemperatur ist somit charmant ausgedrückt im niedrigen Bereich…:D

Der Fluss fließt in einer Art Canyon…, die umliegenden Felder liegen alle knappe 200m höher, somit bilden sich relativ steil abfallende Hügel zum Fluss hin, die River-Hills. Diese Hills sind hauptsächlich mit Gras, Birken und den Saskatoon-Büschen bewachsen, letztere färben sich im Herbst recht eindrucksvoll bunt und geben den Hügeln somit eine besondere Schönheit. Vorallem für Quadtouren oder auch Wanderungen bietet sich dieses anspruchsvolle Gelände hervorragend an. Aber abgesehen davon ist man hier draußen fernab jeder „Lichtverschmutzung“, man sieht in den klaren Nächten in der Prärie so unglaublich viele Sterne. Auch die Sternschnuppen-Nächte letzten Herbst haben wir auf den River-Hills verbracht. Bei wärmendem Lagerfeuer und fernab jeder Zivilisation kommt man diesem Klischee, das viele „Wildwest-Filme“ oder Naturdokumentation vermitteln sehr nahe.

Besonderes Highlight sind natürlich die Polarlichter – je näher es Richtung Herbst geht, umso wahrscheinlicher werden Polarlichtsichtungen. Wenn man sich dafür begeistern kann, ist man in der Prärie genau richtig aufgehoben, gibt es doch, wie bereits erwähnt kaum irgendwelche störenden Fremdlichtquellen. Wer dieses einmalige Naturschauspiel einmal beobachten durfte, wird definitiv Fan davon, es gibt wohl nicht viele Naturphänomene die ähnlich eindrucksvoll sind und dabei so unvorhersehbar auftreten. Die Polarlichter kommen aus dem Nichts und meist verschwinden sie wieder genauso schnell.
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StefanS

StefanS

Alter: 25 Jahre,
aus Kulmbach
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Kommentare

07.01.2017 10:08 Leanne
"Aber auch wenn das Farmleben einige Einschränkungen und das Fehlen einiger Annehmlichkeiten bedeutet, so kann ich mich doch dafür begeistern. Speziell wenn man sich für Aktivitäten in der Natur erfreuen kann gibt es viele Beschäftigungsmöglichkeiten, insofern das Wetter halbwegs mitspielt." ... dieses- von Dir geschriebene, ist wesentlich- auf den Punkt gebracht.
Bin schon auf den nächsten Bericht gespannt. Weiter so! Gruß Leanne
08.01.2017 12:50 matta
schon der 2. Blogeintrag, der mich fesselt
toll
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