Zur mobilen Version wechseln »
NachrichtenThemenMediathekCommunityWetterMärkte & PreiseShopBranchenbuchagrarheute.comlandlive.de
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche

Seltene Nutztierrassen

(13 Einträge)

De Gaulle in Berlin Nachwuchs von De Gaulle Walachenschafe
23 mal angesehen
17.04.2017, 19.35 Uhr

Poitou Esel-Bewertung in Witzenhausen (Hessen)

Der Poitou Esel ist keine einheimische, also deutsche Rasse, er stammt aus Frankreich, aus der Gegend um die Stadt Poitiers, dem Poitou. Dort soll dieser Riesenesel bereits seit dem 10. Jahrhundert gezüchtet worden sein, seine genaue Herkunft ist jedoch unklar. Eine Verwandtschaft mit den anderen Großeseln aus Spanien/Portugal, wie den katalanischen Riesenesel und den Zamorano-Leonés kann angenommen werden, ist aber nicht bestätigt.
In Frankreich wurde 1884 das Stutbuch gegründet, die Rasse stand jedoch 1972 vor dem Aussterben. Durch Einkreuzung anderer Rieseneselstuten aus Portugal und intensive Zucht hat man die Rasse retten können.
Mittlerweile hat sich die Population erholt und es gibt weltweit ca. 800 Esel dieser Rasse, davon etwa 200 in Deutschland. Die deutsche Population befindet sich nach einer schwierigen Anfangszeit vor 1995 seit vielen Jahren im Aufwind. 2015 wurden bereits 22 Fohlen in Deutschland geboren.
Nur Esel, die im französischen Stutbuch eingetragen sind, dürfen die Bezeichnung „Baudet du Poitou“ führen, alle anderen gelten als Mischlinge und Kreuzungen. Das französische Stutbuch ist seit 2004 geschlossen, um die Rasse nicht durch weitere fremde Tiere zu verfälschen.
Die Rasse wurde in den vergangenen Jahrhunderten hauptsächlich zur Erzeugung starker Maultiere, also Kreuzungen von Pferdestute und Eselhengst, eingesetzt. Deshalb wurden die Tiere groß und kräftig gezüchtet, um dies auf die Kreuzungsnachkommenschaft zu übertragen. Die Maultiere wurden meist mit einer speziellen schweren Kaltblut Pferderasse „Mulasse“ gezogen und waren als Arten-Kreuzungen nicht fortpflanzungsfähig. Als Kreuzungen zeichnete sie ein Heterosiseffekt und damit eine besonders hohe Leistungsfähigkeit aus. Insbesondere im 19. Jahrhundert wurden viele Maultiere für Tragarbeiten im Gebirge eingesetzt und zum starken Zug vor schweren Arbeitsmaschinen oder für schwere Transportaufgaben verwendet. Dies nicht nur in Europa sondern auch in Amerika. Durch den Ersatz der tierischen Zugkraft durch Schlepper war das Maultier dann nicht mehr gefragt, wodurch die Rassen der Riesenesel immer weiter verdrängt wurden bzw. in den Bestandszahlen zurück gingen. Heute hat etwa die Bundeswehr noch eine Tragtierkompanie, die Maultiere hält, da Maultiere eine besondere Stärke, Leistungsfähigkeit und Trittsicherheit in schwierigen Gelände besitzen.

Rassestandards

Die Rasse hat als Großesel bei den Hengsten ein Stockmaß von ca. 145 cm und bei Stuten ca. 140 cm und sind damit ähnlich groß, wie ein größeres Pony. Die Tiere müssen kräftig sein, mit langen Rücken und guter Bemuskelung. Die Gliedmaßen sind stark und trocken. Die Fellfarbe ist von hell- bis dunkelbraun oder gelblich (Farnfarbe), ohne Aalstrich oder weiße Stichelhaare. Auffallend bei vielen Tieren sind die langen, teilweise verfilzten Haare des Felles. Diese langen Haare waren früher der Ausdruck der Potenz des Esels und ein Mythos der Zucht.
Heute werden die Tiere in einen A- und B-Buch eingeteilt. Im A-Buch sind die reinrassigen Tiere, im B-Buch die nicht reinrassigen Tiere. Nachkommen von B-Buch-Tieren mit A-Tieren kommen wieder ins B-Buch, Stuten können aber nach 3 Generationen ins A-Buch übernommen werden. Diese Änderung im Stutbuch wird jedoch sehr streng gehandhabt, nur sehr gute Tiere werden hier aus dem B-Buch aufgenommen. Männliche Nachkommen von B-Buch-Tieren, die ins A-Buch gelangt sind, können aber erst nach sieben Generationen im A-Buch gekört werden. Damit soll der Anteil an Fremdgenetik, die zum Wiederaufbau der Zucht eingekreuzt worden war, möglichst gering gehalten werden.
Esel können sehr alt werden, bis zu 40 Jahren sind möglich und damit werden sie älter als Pferde. Die Anschaffung eines Esels ist somit auch eine Aufgabe für ein ganzes Menschenleben und sollte gut überlegt werden. Der Poitou-Esel ist aber kein Gebrauchsesel oder Lastesel, der zu schwerer Arbeitsleistung geeignet ist, das würde die Lebenserwartung stark verkürzen. Geringe Arbeitsleistung, wie Ziehen einer leichten Kutsche oder Bewegungstraining, auch mit leichten Lasten, fördert nach entsprechender Einarbeitung und bei regelmäßiger Betätigung, die Gesundheit und Lebenserwartung des Esels.

Stutbuch und Körung in Deutschland

Die in Deutschland gezüchteten Poitou-Esel sind seit 1995 grundsätzlich dem französischen Stutbuch angeschlossen. Dies ist möglich durch ein spezielles Abkommen zwischen Frankreich und Deutschland. Das französische Stutbuch benennt dann für ein Land einen Beauftragten, dies ist aktuell Barbara Bank, die auch diese Stutbuchaufnahme in Witzenhausen organisiert hatte.
Zur Eintragung ins Stutbuch ist aber eine Begutachtung der Hengste und Stuten unabdingbar, um die Zuchtqualität zu erhalten und keine ungeeigneten Tiere für die Nachzucht zu verwenden. Deshalb müssen in regelmäßigen Abständen Stutbucheintragungen bzw. Körungen der Esel-Hengste in den einzelnen Ländern durchgeführt werden bzw. die Tiere müssen hierfür nach Frankreich gebracht werden. Dabei werden nicht nur reinrassige Esel aufgenommen sondern auch die dazu gehörigen Kaltblutpferde (Trait Poitevin) und die Maultiere (Mule Poitevin).
So fand 1995 die erste Zuchtschau für Deutschland im Tierpark Hagenbeck in Hamburg statt. Damals wurden 35 Tiere vorgestellt. Im Jahre 2004 konnte dann der erste in Deutschland gezüchtete Hengst gekört werden. Bereits im Oktober 2011 fand in Witzenhausen eine Stutbuchaufnahme statt, an der 18 Tiere teilgenommen hatten. Da die damalige eintägige Veranstaltung ein großer Erfolg war, hat man dies 2016 nochmals wiederholt. Deshalb wurde am Sonntag, den 16. Oktober 2016 in Witzenhausen zum zweiten Mal eine Stutbucheintragung für Poitou-Esel aus ganz Deutschland durchgeführt. Dazu war der Präsident des französischen Verbandes Thierry Faivre mit seiner Kommission, bestehend aus Yvette van Meegeren und Marie-Josee Coppey, angereist. Herr Faivre war bereits 2011 mit einer Kommission angereist und war auch schon 1995 bei der ersten Aufnahme in Deutschland dabei.
2016 stellten sich 4 Hengste einer Bewertung, ein weiterer bereits gekörter Hengst wurde erneut begutachtet und 11 Stuten sollten einer Bewertung unterzogen werden. Weiterhin sollten eine Pferdestute und eine Maultierstute der Bewertungskommission vorgestellt werden.

Tagesablauf

Bei strahlendem Wetter während des ganzen Tages gab es um 10 Uhr einen Umzug der zu bewertenden Esel mit 24 weiteren gefährdeten Rassen. Das Rassenspektrum reichte dabei vom Meissner Widder (Kaninchen) über Pommernente und Altdeutschen Hütehund bis hin zum Rätisches Grauvieh (Rinder). Um ca. 10.30 Uhr kamen die Tiere auf dem Marktplatz an, wo sie den ganzen Tag über ausgestellt waren. Daraufhin folgte die Begrüßung durch die Bürgermeisterin Angela Fischer, Dr. Peter Schweiger (Vorsitzender GEH), Barbara Bank (GEH-Eselkoordinatorin, Beauftrage des französischen Verbandes für Deutschland und Hauptinitiatorin der Bewertung), Thierry Faivre von der Bewertungskommission und Sabine Popp als Vertreterin der Städtepartnerschaft von Witzenhausen mit St. Vallier.
Daraufhin wurde mit der Bewertung der Eselhengste begonnen.
Um ca. 13 Uhr fand eine Vorstellung von anderen gefährdeten Rassen statt, danach ging es mit der Bewertung der Stuten weiter, gefolgt von einer weiteren Vorstellung von gefährdeten Rassen. Um ca. 17 Uhr wurden die Tiere wieder verladen und nach Hause gebracht.
Bei der Vorstellung der gefährdeten Rassen wurden fast alle ausgestellten Rassen nochmals im Ring gezeigt. Besonders stark waren die Schafrassen und die Hunde vertreten. Gezeigt wurden auch die erst 2015 als Rasse anerkannten „Deutschen Esel“, die nun in einem Herdbuch geführt werden können.
Doch nicht nur lebende Tiere wurden gezeigt, auch nach dem Motto „Erhalten durch Nutzen“ gab es Produkte gefährdeter Rassen zu kaufen. So etwa Bratwurst von gefährdeten Schaf- und Rinderrassen und weitere Käse- und Wurstsorten. Für Kinder gab es eine Mitmachaktion zum Filzen von Wolle und Wollverarbeitung im „Wollmobil“ und einen Streichelzoo mit Kaninchen.
Weiterhin gab es im Rathauskeller eine Ausstellung von Bildern und Fotografien verschiedenster gefährdeter Rassen.

Bewertungsergebnisse

Die Stutbuchaufnahme wurde von den Kommissionsmitgliedern Thierry Faivre, Yvette van Meegeren und Marie-Josee Coppey durchgeführt.
Insgesamt wurden 5 Hengste vorgestellt. Der Hengst „Bosco de Re“ war bereits gekört, wurde aber zur erneuten Bewertung der Kommission gezeigt. Die vier weiteren Hengste wurden zur Körung eingestellt. Davon wurden zwei Hengste gekört, einer wurde zurück gestellt und der letzte nicht gekört. Der zurück gestellte Hengst „Charles“ war noch nicht ausreichend entwickelt, sein Vater „De Gaulle“ war 2011 in Witzenhausen gekört worden und war jahrelang der Star auf der Grünen Woche in Berlin.
Der Kommission wurden weiterhin 12 Stuten von vier Züchtern zur Bewertung vorgestellt und 11 ins Stutbuch aufgenommen. Beste Stute wurde dabei die 6jährige Anouk de Genets mit 80 Punkten.
Die Mulassiere Stute konnte leider nicht vorgestellt werden.
Schliesslich wurde noch die dreijährige Maultierstute (Mule Poitevin) Djakarta vorgestellt. Sie stammt aus dem Tierpark Arche Warder in Schleswig-Holstein und wurde durch den Pfleger mit einer Reiterin vorgestellt.
offline

Geschrieben von

Anzeige

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

Anzeige
Zum Seitenanfang