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Seltene Nutztierrassen

(18 Einträge)

Gruppe Esel I Esel II Esel III
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26.08.2017, 19.41 Uhr

Der Weiße Barockesel

Wenn man von Eseln spricht, dann stellt man sich für gewöhnlich einfarbig graue Tiere vor. Nicht umsonst hat der Esel auch noch ab und zu den Namen „Grautier“ bekommen. Dies ist jedoch nicht immer richtig. So ist z. B. der Poitou-Esel stets braun bis gelblich (Farnfarbe) in verschiedenen Farbnuancen und nicht grau. Auch andere Esel weisen oft eine vom grauen abweichende Färbung auf. Besonders auffallend ist es jedoch, wenn aus den dunklen Tieren plötzlich völlig weiße Esel fallen oder die Eselgruppe gänzlich weiß ist.
Eine Art der Weißen Esel ist der Große Weiße Ägyptische Esel oder Muscat-Esel. Dieser kräftige Esel wurde in den vergangenen Jahrhunderten oft als Veredler für andere Eselsrassen, auch in Europa, eingesetzt. Bei dieser Rasse ist es jedoch ähnlich wie beim Schimmel bei den Pferden: die Fohlen werden schwarz geboren und färben innerhalb weniger Jahre um, so dass sie dann erst weiß sind. Es handelt sich also bei dieser Rasse um keine Albinos.
Albinos, also Tiere, deren jegliche Fähigkeit zur Bildung von Pigmenten fehlt, kommen in allen Tierarten und auch beim Menschen immer wieder vor. Es handelt sich hierbei um eine Mutation, die bei den Betroffenen zu einer Empfindlichkeit gegenüber Licht führt. Albinos erkennt man sehr oft daran, dass die Augen rot sind.

Entwicklung der Weißen Barockesel

Bei den Weißen Barockeseln handelt es sich aber ebenfalls nicht um Albinos. Sie werden zwar schon weiß geboren und färben nicht um, haben aber grundsätzlich die Fähigkeit, Pigmente zu bilden, was sich an den blauen Augen zeigt. Auch bei Pferden gibt es eine ähnliche Variante, so gab es in Dänemark als königliche Pferdezucht einmal die „Weißgeborenen Frederiksborger“, die auch einen gewissen Einfluss auf die Lipizzanerzucht ausgeübt haben. Gerade im 16. bis ins 18. Jahrhundert wollte man in der Pferdezucht sehr viele ungewöhnliche Farben und Farbzeichnungen herauszüchten, so wurden etwa die Lipizzaner erst später durchgehend Schimmel.
In diesem großen Kontext ist vielleicht auch der Beginn der Zucht von weißen Eseln im 18. Jahrhundert zu sehen. Damals begann man im heutigen Bulgarien und Ungarn, das nach der Zurückdrängung des osmanischen Reiches zu Österreich gehörte, aus den grauen und schwarzen Eselspopulationen die zufällig weißgeborenen Tiere gezielt weiter zu züchten. Treibende Kraft hinter dieser besonderen Zucht scheinen die Landadeligen der damaligen Zeit gewesen zu sein. Die Zucht dieser weißen Esel konnte sich durch die Jahrhunderte in Österreich-Ungarn bzw. in der k. u. k. Monarchie und auch nach dem 1. Weltkrieg in Österreich auf niedrigen Niveau retten.
Nach jahrelangen Bemühungen, 2010 wurde der „Verein zur Erhaltung der weißen Barockesel“ auf Initiative des mittlerweile verstorbenen Prof. Altmann gegründet, ist es nun 2017 gelungen, dass der “Weiße Barockesel“ offiziell in Österreich als neue, eigenständige Rasse anerkannt wurde. Dazu war im Vorfeld ein Zuchtbuch erarbeitet worden, indem die als reinrassig angesehenen Tiere aufgenommen werden konnten.
Die neu anerkannte Rasse ist die einzige anerkannte Eselrasse in Österreich und wurde bereits 2017 als ARCHE Austria Rasse des Jahres gekürt und auch der Naturschutzbund hat sie zur Rasse des Jahres 2017 gewählt.
Über genetische Untersuchungen stellte sich auch heraus, dass die weißen Barockesel aus Österreich sich nicht nur vom Exterieur sondern auch in ihrer Genetik von den weißen Eseln auf der italienischen Insel Asinara deutlich unterscheiden. Weitere genetische Untersuchungen sollen die Verwandtschaft mit anderen Eselrassen klären und auch evtl. die Grundlagen der besonderen „Farbe“.

Zucht und Verwendung

Weltweit gibt es ca. 100 Tiere dieser neuen, alten Rasse. Ein wichtiger Zuchtstandort in Deutschland ist der Tierpark Stralsund. Dort werden seit 1990 diese weißen Esel gehalten und weiter gezüchtet. Seit dieser Zeit werden dort auch Aufzeichnungen über die Zucht geführt, die nach der Anerkennung als Rasse nun besonders interessant sind. Man verwendet die Esel nicht nur als Schautier sondern auch für Beweidungsprojekte in der Umgebung in einer Mischbeweidung mit Schafen. Obwohl die Esel eher für trockene Standorte geeignet sind, gehen sie bei der Beweidung auch in Schilfgebiete. Für Naturschutzprojekte werden diese Esel u. a. in Österreich ebenfalls eingesetzt, etwa im Nationalpark am Neusiedler See. Auf Schloss Hof in Niederösterreich gibt es weiterhin Schauvorführungen mit den weißen Eseln im Fahren und im Reiten. Dies zeigt, dass diese Rasse nicht nur schön anzusehen ist, sondern auch für verschiedene Zwecke verwendet werden kann.
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