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Seltene Nutztierrassen

(18 Einträge)

Zuchtsau Gruppe im Freiland Mastschweine
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19.11.2017, 14.56 Uhr

Deutsches Sattelschwein

Das „Deutsche Sattelschwein“ ist eine relativ junge Rasse. Es entstand erst 1948, als in der sowjetischen Besatzungszone die Bestände des Angler Sattelschweins und des Schwäbisch-Hällischen Schweins zusammengefasst und schliesslich zu einer Rasse vereint wurden. Von der Zuchtgeschichte und der Genetik hatten Angler Sattelschwein (aus der Region Angeln in Schleswig-Holstein) und das Schwäbisch-Hällische Schwein (aus Baden-Württemberg um Schwäbisch Hall) wenige Gemeinsamkeiten. Das Aussehen der beiden Rassen ist jedoch sehr ähnlich, so dass es verständlich ist, warum man diese Rassen zu einer neuen Rasse verschmelzen wollte.
Nicht zu verwechseln ist die Rasse „Deutsches Sattelschwein“ mit der Rassengruppe „Deutsche Sattelschweine“, in der das BLE und das Bundeslandwirtschaftsministerium in Veröffentlichungen die Rassen Angler Sattelschwein, Deutsches Sattelschwein, Rotbuntes Husumer Schwein und Schwäbisch-Hällisches Schwein, zusammenfasst.

Aussehen

Die Rasse ist großrahmig und hat ein charakteristisches Erscheinungsbild: der Rumpf ist mit einem weißen Sattel unterschiedlicher Breite vollständig umgürtet, während Haut und Haare der anderen Körperteile schwarz sind. Dabei weist das Schwarz verschiedener Tiere unterschiedliche Nuancen auf. Beim Übergang von schwarz zu weiß gefärbten Zeichnungsteilen kommen oft Säumungsstreifen vor, dabei sind weiße Haare auf schwarzer Haut. Typisch sind auch die Schlappohren der Rasse.

Entwicklung der Rasse

Die deutsche Schweinezucht in den letzten 200 Jahren war im Wesentlichen gekennzeichnet durch die Einkreuzung ausländischer Rassen. So entstanden auf der Grundlage der einheimischen, spätreifen Landrassen insbesondere im 19. Jahrhundert mit den fruchtbaren und frühreifen Chinesischen Maskenschweinen und verschiedenen englischen Rassen (die ebenfalls bereits aus der Kreuzung mit chinesischen Maskenschweinen entstanden waren) mehrere Rassengruppen, darunter auch das Angler Sattelschwein und das Schwäbisch-Hällische Schwein mit jeweils eigener, unabhängiger Zuchtgeschichte, der hier nicht nachgespürt werden soll.
1948 wurden in Ostdeutschland diese beiden, damals bereits etablierten Rassen durch einen staatlichen Beschluss vereinigt und gemeinsam weitergezüchtet. Nach dem 2. Weltkrieg waren fruchtbare und fette Schweine gesucht, was der Rasse zuerst einen guten Rückhalt gab. In den ersten Jahrzehnten der DDR war die neue Rasse mit ca. 10 % am Sauenbestand beteiligt. Mit dem Beginn der Umzüchtung auf fettärmere Schweine sank der Bestand immer weiter. Durch den Einsatz von Ebern der Rasse Prestice aus der damaligen CSSR brachte man etwas Blutauffrischung ein. Schliesslich wurde 1975 auf dem Volkseigenen Gut Hirschfeld eine Genreserveherde mit über 100 Zuchtsauen und Nachzucht eingerichtet. Diese bestand bis zum Ende der DDR 1990 und wurde kurz darauf aufgelöst. Die Zuchttiere wurden an viele private Halter abgegeben und deutschlandweit verstreut. Die Rasse ist aber immer noch am stärksten in den neuen Bundesländern verbreitet.

Heutige Nutzung

Die Rasse ist vergleichsweise fruchtbar, aber auch fettreich mit guter Fleischqualität. Der hohe Fettanteil im Schlachtkörper muss bei der Nutzung berücksichtigt werden, bei reinrassigen Tieren ist mit einem Magerfleischanteil von 36 – 45 % zu rechnen. Da die Fruchtbarkeitsrate von Schweinen bzw. der Rasse hoch ist, wird die Rasse oft in der Ferkelerzeugung als Mutterrasse in der Kreuzung mit Fleischrassen, wie Pietrain, eingesetzt. Dadurch lässt sich ein Magerfleischanteil von über 50 % bei den Kreuzungstieren erreichen.
Die Rasse ist robust, anspruchslos und weidetauglich, weshalb sie vielfach in der Freilandhaltung eingesetzt wird. Durch die guten Muttereigenschaften verwendet man die Sauen auch in Hüttenhaltungen. Je nach Haltung sind hohe Mastendgewichte und tägliche Zunahmen von ca. 800 g möglich. Dabei wird bei den meisten Haltern eine Direktvermarktung der Schlachttiere durchgeführt.
Nun sollte man aber nicht meinen, dass wegen des hohen Fettanteils das Fleisch kaum als Braten geeignet ist. Gerade hier zeigt sich, dass Fett ein wichtiger Geschmacksträger ist und sehr mageres Fleisch eben keinen optimalen Geschmack hat. Von diesem höheren Fettanteil profitieren auch die Schlachttiere aus der Kreuzung der Mutterrasse Deutsches Sattelschwein mit Pietrain sehr deutlich.
Auf Hof Marienhöhe etwa, der 1928 in der „Brandenburger Sandbüchse“ als Demeter-Betrieb gegründet wurde und damit der älteste Betrieb in Deutschland ist, hält man 4 Zuchtsauen der Rasse und einen Eber. Die ersten Tiere stammten aus der Genreserveherde in Hirschfeld.
Es wird mit ca. 13 aufgezogenen Ferkeln pro Wurf gerechnet. Von den ca. 80 reingezogenen Ferkeln im Jahr werden die Hälfte selbst gemästet und der Rest verkauft. Die Schweine werden hauptsächlich mit eigenen Futtermitteln gefüttert (z. B. auch Molke, Kartoffeln, Möhren). Die Molke stammt aus der eigenen Hofmolkerei. Die Mastschweine werden mit ca. 120 bis 140 kg Lebendgewicht geschlachtet, hauptsächlich zu Wurst verarbeitet und direkt vermarktet.
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