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Seltene Nutztierrassen

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TR-Kalb TR-Jungrind TR-Kuh
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04.05.2018, 22.00 Uhr

Ansbach-Triesdorfer Rinder im Mittelpunkt

Gefährdete Tierrassen können am besten erhalten werden, wenn sie für den Eigentümer einen großen wirtschaftlichen Wert haben. Dies wird insbesondere dann erreicht, wenn man mit der Rasse eine hochwertige Vermarktung aufbauen kann, die Produkte mit einer besonders guten Wertschöpfung auf den Markt bringt.
Gerade sehr seltene Rassen haben die Möglichkeit, ihre geringe Zahl durch eine ganz besondere Exklusivität dieser Produkte in einen höheren Verkaufspreis umzusetzen. Hier gibt es auch den gewissen Vorteil, nicht sofort in großen Mengen ein vermarktbares Produkt anbieten bzw. absetzen zu müssen sondern auch mit geringeren Mengen einen ausreichenden Gewinn zu erzielen.
Dies betrifft auch die Rasse Ansbach-Triesdorfer, von denen es nur ca. 100 anerkannte Kühe gibt und deshalb in der Kategorie „extrem gefährdet“ bzw. „Phänotypische Erhaltungspopulation“ (PERH) geführt wird. Durch die geringe Tierzahl ist natürlich auch die Zahl der vermarktbaren Produkte vergleichsweise gering.
Deshalb traf man sich an einem Sonntag im Juni 2017 auf zwei Betrieben in Mittelfranken, um die Rasse vorzustellen und über Vermarktungsmöglichkeiten zu informieren.
Die Rasse Ansbach-Triesdorfer entstand ab 1740 auf den Gut Triesdorf der Markgrafen von Ansbach in Mittelfranken und verbreitete sich im 19. Jahrhundert in großen Teilen Mittelfrankens und angrenzender Gebiete. Zu Beginn des 20. Jahrhundert kam es zum Niedergang der Rasse, die praktisch vollständig im Fleckvieh Mittelfrankens aufging. Rassetypisch sind die pigmentierten Beine und Köpfe, dunkles Flotzmaul mit dunkler Umrandung, dunkle Klauen und dunkle Hornspitzen. Der Rumpf sollte gefleckt sein, in der aktuellen Population herrschen jedoch viele gedeckte und gescheckte Tiere vor.

Betriebe mit Ansbach-Triesdorfern

Der erste Betrieb war der Hof mit der aktuell größten Anzahl von Triesdorfer Rindern überhaupt. Insgesamt 26 Triesdorfer Kühe und der Bulle Webtiger als Deckbulle stehen in den Ställen. Er ist seit ca. 15 Jahren Biobetrieb (Bioland) und züchtet seit vielen Jahren Ansbach-Triesdorfer, dazu hat er auch immer neue Deckbullen. In der Nachzucht ist der Anteil an Triesdorfern deshalb noch höher als bei den Kühen, eine weitere Bestandsaufstockung ist außerdem angedacht. Eine Milchleistung von knapp 6000 l und ein Durchschnittsalter der Kühe von 9 Jahren runden das Bild ab.
Die männlichen Kälber werden frühzeitig verkauft, weil es für den Betrieb unwirtschaftlich erscheint, eine größere Zahl Bullen für die Mast aufzuziehen. Durch die notwendige Vollmilchfütterung von 12 Wochen ist das für den Betrieb kaum machbar.
Der zweite Hof war ebenfalls seit etwa 10 Jahren ein Biobetrieb, allerdings dem Demeter-Verband angeschlossen. In seiner Herde stehen 16 Ansbach-Triesdorfer Kühe und mit der Nachzucht insgesamt ca. 30 Tiere. Vor 8 Jahren kam das erste Tier der Rasse auf dem Betrieb, anfänglich hatte man Schwarzbunte (Holsteins) und danach Fleckvieh, die auch noch in der Herde vorhanden sind. Zuerst wurden Deckbullen eingesetzt, danach setzte man auf künstliche Besamung. Seit Ende 2016 hat man wieder einen Ansbach-Triesdorfer Deckbullen, der aber nicht mit der Herde mitläuft, da man schlechte Erfahrungen damit hat. Aktuell zieht man zusätzlich zwei Ochsen für einen Metzger auf, um diese Vermarktungsschiene zu testen, normal werden die männlichen Kälber auch hier frühzeitig verkauft. Mit einer durchschnittlichen Milchleistung über 6000 l/Jahr und einem Durchschnittsalter der Kühe von 7,5 Jahren ist man zufrieden, die ältesten Kühe sind 15 Jahre alt. In der Fütterung setzt man auf Luzerne- und Kleegrassilage, die auf den eigenen Ackerflächen geerntet werden.

Vermarktung der Bullen

Da die meisten Tiere in gemischtrassigen Herden stehen, ist eine gesonderte Milchvermarktung bisher schwierig und wird momentan auch nicht angedacht.
Bisher werden aber die Bullenkälber der Rasse keiner besonderen Vermarktung zugeführt und so Potential für die Erhaltung der Rasse verschenkt. Diesen Umstand möchte man nun ändern. Für Bio-Tiere hat sich der Bio-Laden Ebl-Feinkost bereit erklärt, eine besondere, rassespezifische Vermarktung durchzuführen. Dazu konnte bereits ein Bio-Mastbetrieb gefunden werden, der die benötigten Bullen auf Stroh hält. Die ersten Schlachttiere können voraussichtlich im Herbst 2018 vermarktet werden.
Für konventionelle Bullenkälber gibt es einige Metzger, die Interesse bekundet haben, Fleisch der Rasse in ihrem Geschäft zu verkaufen, aber bisher keine passenden Aufzuchtbetriebe. Der bzw. die Mastbetriebe müssten den Tieren im Sommer Weidegang gewähren, GVO-frei füttern und die Kraftfuttermenge begrenzen, was wegen der notwendigen betrieblichen Möglichkeiten nicht so einfach ist. Bei den beiden Betriebsbesichtigungen waren einige potentielle Mäster daran interessiert, so eine Mast durchführen zu wollen. Damit könnte auch diese Vermarktungsschiene starten.
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