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Sommer auf einer Getreidefarm ...

Die Ernte, das Farmleben und vieles mehr (3 Einträge)

Neues Pachtland... Erosionsrinnen... Aussaat
212 mal angesehen
03.07.2018, 01.17 Uhr

Frühlingserwachen in der kanadischen Prärie


Hallo Leute,

Vor knapp zwei Jahren hatte ich mir mal vorgenommen halbwegs regelmäßig Blogeinträge über das Leben und die Arbeit hier in Kanada zu schreiben. Aber wie es halt meistens ist: Mal hat man Lust zum Schreiben aber keine Zeit, dann hat man Zeit aber keine Lust…manchmal hat man beides aber denkt einfach nicht daran. Wie auch immer, ich hab mich aufgerafft und werde hier mal wieder ein paar Zeilen schreiben.

Generell ist das Wetter bzw. das Klima im Allgemeinen einer der unkalkulierbarsten Produktionsfaktoren in der Landwirtschaft. So natürlich auch in Kanada. Beginnt in frühen Jahren die Aussaat am 23. April, so standen wir dieses Jahr zu diesem Zeitpunkt stellenweise noch hüfthoch im Schnee. Unvorstellbar, dass in absehbarer Zeit Feldarbeit welcher Art auch immer stattfinden würde?!?! Dabei ist eine frühe Aussaat für uns von extrem wichtiger Bedeutung. Zwar werden Raps-, Weizen-, und Erbsensorten mit vergleichsweise kurzer Vegetationsdauer angebaut, aber der Winter schlägt hier in manchen Jahren früh und unbarmherzig zu. Die ersten Nachtfröste treten nicht selten im August auf und sorgen vor allem im Raps für Schäden. Im September oder spätestens Oktober kann man darauf warten, dass die Wettervorhersage die ersten vereinzelten Schneeschauer ankündigt. Je früher man also im Frühjahr ins Feld kommt umso größer ist die Chance den Wetterkapriolen im Spätsommer und Herbst zuvor zu kommen.

Tatsächlich verwandelte die starke Aprilsonne die Schneemassen innerhalb von 2-3 Tagen in ebenso große Wassermassen. Die Folge waren starke Auswaschungen an Wegen, in Gräben und ebenso auf den Feldern. Auch unsere Direktsaatböden hatten stellenweise keine Chance gegen die enorme Kraft des Wassers…es entstanden z.T. bis zu einem Meter tiefe Erosionsrinnen.

Beginn der Aussaat:

Ende April glichen unsere Felder noch einer Seenlandschaft. Doch Sonne und starke Winde trockneten den Großteil der Felder in kurzer Zeit ab. Unsere Hoffnung war gegen mitte Mai mit der Feldarbeit beginnen zu können, tatsächlich hatten wir Glück und konnten am 7. Mai mit der Saat loslegen. Natürlich darf man an den ersten zwei bis drei Tagen der Aussaat keine Wunder erwarten. Wer kennt das nicht, wenn man Equipment nur 2-3 Wochen im Jahr nutzt, dass man sich erstmal wieder in die Materie rein fuchsen muss. Natürlich bietet die Sämaschine mit über 25 Metern Arbeitsbreite das Potential 200 Hektar am Tag zu säen, in der Praxis sieht das aber häufig anders aus. Umsetzzeiten von Feld zu Feld, kleinere technische Probleme oder andere unerwartete Zwischenfälle senken die Effizienz häufig, so dass man letztlich über Tage mit 100 oder 150 Hektar ebenso froh ist. Was vollkommen in Ordnung ist, denn das erlaubt uns immer noch die komplette Fläche der Farm in knapp 3 Wochen zu säen. Tatsächlich konnten wir die Aussaat nach 17 Tagen beenden und lagen im Durchschnitt bei 124 gesäten Hektar pro Tag.

Nachdem am 24. Mai der letzte Raps im Boden war, spitzte der früh gesäte Weizen bereits aus dem Boden. Was uns eine frühe Aussaat ermöglichte wurde uns aber gleichzeitig ein Stück weit zum Verhängnis: die starken Winde und die z.T. große Hitze trockneten die Böden trotz Direktsaat in kürzester Zeit dermaßen aus, so dass der Weizen im Allgemeinen in der Region sehr lückig aufging. Erst gegen Ende Mai gab es Regenfälle die die Situation entspannten. Die Rapsbestände sehen momentan phänomenal gut aus und auch Erbsen und Weizen stehen soweit gut. Nun heißt es abwarten und gespannt sein, was das Wetter für uns bereit hält. Und trotz all dieser Unwägbarkeiten, oder vllt. gerade deswegen ist und bleibt es der Beruf, der einen täglich vor neue und vielfältige Herausforderungen stellt, einen deshalb so fordert und jedesmal aufs neue erfreut, wenn man die Früchte seiner Arbeit sprichwörtlich beim Wachsen zusehen und später Ernten kann. Und dies muss man definitiv als Privileg unseres Berufes sehen.
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StefanS

StefanS

Alter: 27 Jahre,
aus Kulmbach

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Kommentare

08.07.2018 16:55 Leanne
Alles Gute!
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