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Seltene Nutztierrassen

(24 Einträge)

Angler auf der Weide Stallteil des Hofes Luna Angler in Strellin
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19.08.2018, 19.35 Uhr

Angler alter Zuchtrichtung

Angeln, das ist nicht nur eine sportliche Freizeitbeschäftigung sondern auch eine Region im Nordosten von Schleswig-Holstein. In dieser Gegend, der Landschaft Angeln, wird seit Jahrhunderten ein kleinrahmiges, milchergiebiges Rind gezüchtet, das Angler Rind. In früheren Zeiten, als die Grenze zu Dänemark noch anders verlief, gab es engen Tieraustausch mit den angrenzenden, nördlichen Zuchtgebieten.
Im Gegensatz zu den meisten anderen roten Rindern des Nordens und auch ganz Deutschlands wurden in diese Rasse im 19. Jahrhundert keine Shorthornrinder aus England eingekreuzt. So entwickelte sich die Rasse auf der Halbinsel Angeln damals schon abweichend von den meisten Rinderrassen Deutschlands. Im 20. Jahrhundert züchtete man stark auf die Erhöhung des Milchfettgehaltes, so dass das Angler Rind in den 1950er Jahren die mit Abstand milchfettreichste einheimische Rinderrasse Deutschland war.
Wegen der nahen Verwandtschaft mit dem größeren und milchreicheren Roten Dänischen Milchrind (RDM) setzte man diese Rasse ab den 1950ern auch verstärkt in Angeln ein. Das RDM war zur damaligen Zeit in Deutschland auch sehr beliebt als Kreuzungspartner für andere Rassen, wie Rote Höhenvieh-Schläge, Glanrind und Gelbvieh, sowohl in der Bundesrepublik als auch in der DDR.
Ab den 1960ern wurden in der Angler Rinderzucht in geringem Maße auch noch weitere Rassen verwendet, insbesondere Ayrshire und Jersey. In den 1990ern wurden in der Angler Rinderzucht sehr stark Rote Holsteins eingesetzt und etwas später stattdessen Skandinavisches Rotvieh. Ab dieser Kreuzungsphase mit Holsteins trennten sich die Wege des „modernen Angler Rindes“ vom „Angler Rind alter Zuchtrichtung“. Auch das RDM in Dänemark hatte einen neuen Zuchtweg beschritten und versuchte insbesondere mit der Einkreuzung von Jerseys und Brown Swiss die Rasse voran zu bringen. So gibt es auch in Dänemark ein sogenanntes „RDM 1970“, eine sehr seltene Rasse, die dem „Angler alter Zuchtrichtung“ sehr ähnlich ist, und ein modernes „RDM“.
Das heutige „Angler Rind alter Zuchtrichtung“ ist von der Abstammung her im Wesentlichen gekennzeichnet durch einen maximalen Holstein-Anteil von 12,5 % bei weitgehenden Fehlen von skandinavischer Genetik. Es gibt wenige Hundert Kühe der Rasse, die vielfach in Biobetrieben, insbesondere Demeterbetrieben, stehen, die deren hohen Fettgehalt und geringe Größe schätzen. Auf den meisten Betrieben stehen Deckbullen, aber über die künstliche Besamung sind sowohl Bullen aus der Genreserve als auch jüngere Bullen zugänglich.

Arche-Hof Luna

Der Betrieb von Herrn Bertram liegt in Niedersachsen und züchtet seit ca. 30 Jahren Angler, die die Holstein-Rinder ersetzt haben. Zuerst kaufte er sich Angler Kälber aus dem Harz, aber seit ca. 2000 wird kaum mehr zugekauft. Er ist einer der Hauptakteure der Erhaltung des Angler Rindes alter Zuchtrichtung und versucht die genetische Diversität der Rasse auch in seinem Bestand zu erhalten.
Der Demeterbetrieb wirtschaftet seit 2014 in einem modernen Laufstall am Ortsrand mit planbefestigen Boden und teilweise Strohaufstallung (mit Hackschnitzelzusatz), da man selbst nicht ausreichend Stroh hat. Die gehörnten Tiere können direkt aus dem Stall auf die Weiden. Die Weiden sind mit Hecken umsäumt, die in den letzten Jahrzehnten angelegt wurden, und die Tiere fressen auch Laub aus den Hecken, was man durchaus als positiv ansieht. Auf eine Entwurmung der Weidetiere wird ebenfalls verzichtet.
Den Vorteil der Rasse sieht er in der Anpassungsfähigkeit, gute Gesundheit und Fruchtbarkeit, gute Füße und Klauen, was die Klauenpflege minimiert, die Euter sind aber nicht die allerbesten. Ein Zuchtziel ist Langlebigkeit. Die Leistung ist bei ca. 4000 kg Milch bei ca. 5 % Fett und 3,5 bis 4 % Eiweiß. Die Leistung wird allein aus Grundfutter (Sommer Weide, Winter Heu und Silage) erzielt. Dabei benützt man in der Zucht die Relation Leistung zu Körpergewicht (Fett und Eiweiß kg zu Lebendgewicht), wobei das Gewicht der ausgewachsenen Kuh um 500 kg liegen soll, um eine Gewichtsverringerung in der Rasse vorzubeugen. Eine weitere Steigerung des Fettgehaltes soll nicht stattfinden und man achtet wegen der Käsereitauglichkeit auf das Kappa-Kasein, genauso wie man Beta-Casein A1/A2 beachtet.
Neben mehreren Deckbullen setzt man auch gezielt künstliche Besamung ein. Für die Bullen stehen drei Bullenboxen zur Verfügung und die zu deckenden Kühe werden in die Bullenbox gebracht, so dass eine Handhabung des Bullen weitgehend vermieden wird. Der Absatz der überzähligen Kälber ist nicht einfach, der Preis für die Bullenkälber der Rasse ist gering, sie gehen meist an Mäster.

Kirchgut Strellin

Das Kirchgut Strellin befindet sich in Mecklenburg-Vorpommern und hat viele alte, denkmalgeschützte Gebäude. Man begann 1992 auf einen reinen Pachtbetrieb mit der Milchviehhaltung mit Angler Rindern, direkt aus Angeln hierher gebracht, und hat seitdem die Hofflächen zugekauft. Ein großer Teil der Pachtflächen ist noch Kircheneigentum. Neben dem vorhandenen Grünland wird auf dem Bioland-Betrieb Getreide zum Verkauf und viel Kleegras für die Rinder angebaut. Außer den Angler Rindern alter Zuchtrichtung hat man auch noch ein paar andere gefährdete Rassen, gewissermaßen als Hobby.
Die Rasse wurde 1992 gewählt, weil man sie als marschfähig und unkompliziert kannte. Man schätzt deren gute Fruchtbarkeit und die Langlebigkeit. Ein Problem sind die Euterentzündungen, da auf dem Biobetrieb keine Antibiotika eingesetzt werden. Darum ist das Abgangsalter nach 3 – 4 Laktationen auch nicht befriedigend.
Züchterisch wurde bis 1997 künstlich besamt, dann wollte man die weiteren Einkreuzungen und Typveränderungen im Originalzuchtgebiet nicht mitmachen und setzt seither zwei Deckbullen ein. Diese Bullen sind meistens selbst gezüchtet oder werden von anderen Betrieben zugekauft.
Im Sommer stehen die Tiere ganztägig auf der Weide und kommen nur zum Melken in den Stall, im Herbst wird auf Tagesweide reduziert, im Melkstand wird noch Kraftfutter zugefüttert und im Winter stehen die Tiere in einem Tieflaufstall auf Stroh und erhalten dort eine Totale Mischration. Die Leistung beträgt ca. 5000 l Milch bei 5 % Fett und 3,6 % Eiweiß und es sollen im Jahr nicht mehr als 6 – 7 dt Kraftfutter zugefüttert werden.
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