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Seltene Nutztierrassen

(25 Einträge)

Böcke getüdert Schafherde Pommern auf dem Deich
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15.10.2018, 20.14 Uhr

Pommersche Landschafe

Neben Leinen waren Wollwaren in der Vergangenheit die wichtigsten Bekleidungsstoffe des Menschen. Darum ist es nicht verwunderlich, dass sich in allen Ländern Schafe etabliert haben, die den Menschen Wolle lieferten. Diese Schafe waren den Landstrichen angepasst, in denen die Gemeinschaft aus Mensch und Tier leben musste. Der Begriff „Tragekomfort“ war vor Jahrhunderten noch nicht erfunden und meist war es die Not und Armut der Menschen, die kaum eine Wahl ließ, was man anziehen wollte. Erst die Einführung der Merinoschafe im 18. Jahrhundert aus Spanien, deren Verbreitung und die Verbesserung der Wollfeinheit des Schafbestandes in Deutschland, hat diese lokalen Schafrassen immer mehr in den Hintergrund gedrängt.
In Pommern, einen Landstrich, der heute noch im Namen des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern weitläufiger bekannt ist, wurde seit langem das Pommersche Landschaf gezüchtet. Die Region Pommern bezieht sich nicht nur auf den nordöstlichen Teil des Landes Mecklenburg-Vorpommern, das heutige Vorpommern, sondern umfasste historisch auch einen kleinen nordwestlichen Teil des Landes Polen (Hinterpommern).

Zuchtentwicklung

Das heutige Pommersche Landschaf, wegen seiner im Vergleich zur Merinowolle auch Rauwolliges Pommersche Landschaf genannt, entstand wohl aus der Kreuzung von Hannoverschen Landschaf mit dem in der Gegend vorhandenen Zaupelschaf. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts versuchte man englische Fleischschafrassen zur Verbesserung der Leistungen einzukreuzen, was aber weitgehend fehlschlug, da diese Zuchtprodukte mit dem Klima der Region nicht so gut zurecht kamen. Insgesamt war die Zucht der Landschafe bereits vor dem Zweiten Weltkrieg eingeschränkt worden, aber in der Notzeit des Weltkrieges und der Nachkriegszeit erlebte die Rasse einen gewaltigen Aufschwung. Mit der Verbesserung der Versorgungslage ging auch die Zahl der Tiere wieder dramatisch zurück. Bis in die 1980er Jahre interessierte sich kaum noch jemand für die Rasse, erst dann versuchte man die damals fast schon ausgestorbene Rasse zu erhalten. Aus kleinsten Anfängen, mit weniger als 100 Tieren, begann der Wiederaufbau einer Erhaltungszucht.
Heute ist das Pommersche Landschaf ein mittelrahmiges Schaf mit Mischwolle. Kopf und Gliedmassen sind schwarz, die Wolle graublau. Die Rasse ist insbesondere für die kleine Gruppenhaltung bzw. Einzelhaltung in Pferchen, oder das Tüdern geeignet. Beim Tüdern wird das Schaf mit einer Leine an einen festen Pfahl befestigt, so dass es nur die Fläche abfressen kann, die es mit der Leine erreicht. Dies ist insbesondere deshalb bemerkenswert, weil Schafe typischerweise ausgesprochene Herdentiere sind und sich normal in Einzelhaltung nicht wohl fühlen. Besonders die Möglichkeit des Tüderns hat der Rasse in der Mangelzeit des und nach dem 2. Weltkrieg kurzzeitig zu einem Höhenflug verholfen. Aus der kräftigen Wolle lassen sich wind- und wetterabweisende Textilien herstellen, bevorzugt für Oberbekleidung.

Heutige Nutzung der Rasse

In der Schnuckenschäferei Schalsee im Westen des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern gibt es neben den namensgebenden Heidschnucken (drei Rassen: graue und weisse gehörnte und hornlose) auch Coburger Fuchsschafe und (Rauwollige) Pommersche Landschafe. Die Tiere werden mit der niederländischen Fleischschafrasse Texel zur Erzeugung von Mastlämmern gekreuzt aber auch in Reinzucht weitergezüchtet. Der EU-Bio-Betrieb beweidet sehr viele Naturschutzflächen und auch Flächen des „Grünen Bandes“, das sind die Flächen der ehemaligen Grenzsperranlagen der DDR, die weitgehend in Naturflächen umgewidmet wurden. Die Gegend hat gute Flächen, umfasst aber auch nasse Stellen im Moor, mit denen die Schafe zurecht kommen müssen. Die Vermarktung geschieht hauptsächlich durch Großabnehmer und wenig über Direktvermarktung. Der Preis des Großabnehmers ist ausreichend für den Betrieb.
Die Schäferei Großzicker ist ein wichtiger Zuchtbetrieb der Familie Westphal in Rügen. Schon in den 1950er Jahren hat man die Rasse gezüchtet, bis man in den 1980ern auf Merinos umstellen musste. Neben reinrassigen Pommerschen Schafen werden heute Kreuzungstiere mit Ile de France oder Charollais gehalten. Wegen der großen Entfernung zu einem Schlachthof wird nicht direkt vermarktet. Allerdings überlegt man sich, ein Schlachthaus zu bauen, da man seit kurzem ein EU-Bio-Betrieb ist. Bisher vermarktet man sehr viele der reinrassigen Tiere als Zuchttiere, während die Kreuzungen an einen Händler gehen. Durch den bekannten Namen als Stammzuchtbetrieb ist der Absatz der reinrassigen Tiere relativ leicht möglich. Die Masttiere werden mit ca. 10 Monaten und ca. 40 kg Lebendgewicht verkauft. Geschoren wird im Dezember, Lammzeit ist im Januar. Wolle und Wollprodukte sind hauptsächlich an Touristen absetzbar, Einheimische kaufen sie kaum. Weideflächen des Betriebes sind u. a. auch der Deich. Bis in die 1970er Jahre wurde hier auch Ackerbau betrieben, der in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen ist, die Qualität der Flächen ist nicht gut, weshalb es auch wichtig ist, hier eine robuste, anspruchslose Schafrasse zu halten.
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