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Seltene Nutztierrassen

(26 Einträge)

Mutterkuh der Cadzow-Herde Teil der Cadzow-Herde White Park Bulle
28 mal angesehen
01.12.2018, 10.31 Uhr

White Park – eine alte britische Rinderrasse

Die systematische Tierzucht hat in Großbritannien eine sehr lange Geschichte – man denke nur an das „Englische Vollblut“, das man aus orientalischen Pferden herauszüchtete. Doch noch älter sind andere Tierrassen, die sich über Jahrhunderte hindurch erhalten haben. Dazu gehört auch das „White Park“-Rind, in Deutschland „Englisches Parkrind“ oder „Weißes Parkrind“ genannt.

Zuchtgeschichte und Verbreitung

Man nimmt an, dass diese Rasse als weitgehend geschlossene Population bereits vor ca. 1000 Jahren entstanden ist und sich über alle Wechselfälle der Geschichte erhalten hat. Die Dynevor-Herde in Wales besteht nachweislich seit 1197, dürfte aber deutlich älter sein.
Früher glaubte man, die White Park Cattle wären mit italienischen Rinderrassen verwandt, da diese Tiere durch die Römer vor ca. 2000 Jahren nach England gebracht wurden. Dies hat sich mittlerweile als nicht richtig herausgestellt, obwohl die Rasse genetisch sehr weit von allen anderen Rinderrassen Großbritanniens entfernt ist. Sie nimmt also eine Sonderstellung ein, was auch für das Alter als eigentständige Rasse spricht.
Die Rasse wurde insbesondere in Landschaftsparks des Adels gehalten, galten als Wildtiere und dienten als Jagdwild. So entstanden über Jahrhunderte hinweg Herden von halbwilden Rindern, die sich teilweise auch unterschieden. Neben den „White Park“ haben auch die Rassen „Chillingham“ und die „Vaynol“ eine ähnliche Zuchtgeschichte.
Aber wie überall auf der Welt ging die Entwicklung weiter und so wurden diese Rasse immer unbedeutender. Im 19. Jahrhundert interessierte man sich verstärkt von Seiten der Zoologie für diese Rinder, die ein so ursprüngliches Aussehen hatten. Noch 1940 wurden Tiere nach Toronto verschifft, um eine Ausrottung bei einer evtl. deutschen Invasion zu verhindern. Aus diesen Tieren entstand der Tierbestand in den USA/Kanada.
In Großbritannien selbst ging die Zahl der Tiere weiter zurück, bis um 1970 mit ca. 60 Kühen ein Tiefstand erreicht war. In diese Zeit fiel auf die Gründung des „Rare Breed Survival Trust“ (RBST), der sich um die Erhaltung gefährdeter Haustierrassen in Großbritannien bemühte. Inzwischen hat die Zahl der Tiere in Europa wieder zugenommen, man schätzt ca. 1000 Tiere in 90 Herden, und seit ca. 1990 kamen auch erste Tiere nach Deutschland. Der Bestand in Deutschland baute sich langsam auf und aktuell gibt es etwa ein Dutzend Züchter, die sich um die Weiterentwicklung der Rasse in Deutschland bemühen. Die deutschen Rinder werden im Herdbuch der britischen White Park Cattle Society geführt

Heutiges Aussehen und Nutzung

Die White Park Cattle sind meist fast vollkommen weiße Rinder, die aber schwarze Abzeichen an den Ohren, am Flotzmaul, um die Augen und evtl. auch an den Sprunggelenken besitzen. Diese Abzeichen können auch rotbraun sein. Als Besonderheit treten immer wieder komplett schwarze, rotbraune und gefleckte Tiere auf. Diese zu stark gezeichneten Tiere waren früher und in einzelnen Herden häufiger vertreten. Im 20. Jahrhundert hat man diese Färbungen versucht, weg zu züchten. Mittlerweile hat sich aber der Gedanke durchgesetzt, auch diese Tiere als Zuchtversuch weiter zu züchten. Bullen mit dieser Überzeichnung oder „Fehlfarbe“ dürfen aber nicht verwendet werden.
Die Rasse ist mittelgroß (Widerrist der Kühe etwas über 130 cm) und kräftig (ausgewachsene Bullen um 1000 kg, Kühe um 650 kg). Die Tiere sind eher spätreif, haben deshalb ein langsames Wachstum und sind erst im Alter von 9 Jahren ausgewachsen. Rassekennzeichen sind ebenfalls die Hörner mit dunklen Hornspitzen, die recht lang werden können, und schwarze Klauen. Die Tiere haben damit ein sehr attraktives Erscheinungsbild.
In früheren Zeiten war das White Park Cattle auch ein Dreinutzungsrind, es wurde zur Fleischerzeugung genutzt, Tiere wurden als Zugtiere verwendet und auch gemolken. Heute wird die Rasse ausschließlich für die Mutterkuhhaltung, d. h. zur Fleischerzeugung, verwendet. Die Rasse ist fruchtbar, leichtkalbig, mütterlich und zeigt vielfach einen Wildrindtyp mit schwachen Keulen, wurde aber in den letzten Jahrzehnten wegen der anderen Nutzung immer fleischreicher gezüchtet. Das Fleisch ist mager, aber ausreichend marmoriert. Erhalten geblieben ist, dass die Rasse ein guter Futterverwerter ist und damit besonders für die Beweidung ärmerer Standorte gut geeignet ist. Darum ist die Rasse besonders gut als Weidetier für die Landschaftspflege geeignet.

Die Cadzow-Herde

In Großbritannien gibt es mehrere große Herden des „White Park Cattle“. Neben der bereits genannten Dynevor-Herde sind das die Chartley- und die Cadzow-Herde.
Die Cadzow-Herde steht im Lennoxlove House des Duke of Hamilton in Haddington, Schottland.
Die Herde besteht aus knapp unter 20 Kühen und ein bis zwei Bullen. Die Kühe möchte man möglichst alt werden lassen, 15 Jahre sind ein Ziel, das auch oft erreicht wird. Die Zuchtbullen werden mit den anderen Herden immer mal wieder ausgetauscht.
Seit Jahren werden die Bullenkälber nicht mehr kastriert, weil man sich auch die Erzeugung von Zuchtbullen konzentriert hat. Da man oft erst mit einem Jahr oder älter erkennt, ob ein Bulle wirklich geeignet ist, werden so alle möglichen Zuchtbullen aufgezogen und erst später selektiert.
Die Herde ist im Sommer auf Wiesen mit vergleichsweise geringen Menschenkontakt, ist aber trotzdem ausreichend menschenbezogen und ohne Scheu. Auf der Weide bekommen sie ebenfalls nur gröberes Futter und dienen hauptsächlich der Landschaftspflege und als optische Aufwertung des Gutes.
Das Winterhalbjahr über sind die Tiere im Stall, dort stehen auch die Zuchtbullen und die noch nicht gekalben Kühe. Ähnlich wie bei einem Wildrind setzt man auf Frühjahrskalbung im März/April.
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