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landlive.de

Forum: Fleckvieh

Weiß jemand genaueres ?
grimmig31.08.16 #
Ich habe gehört man plant 50 000 weibl. beim Fleckvieh gen. untersuchen zu lassen. Aus welchem Grund und wer übernimmt dafür die Kosten ?
Llanes31.08.16 @ grimmig #
also die Holstein-Zuchtverbände wollen "Kuhvision" ins Leben rufen, wo eine Kuh-Lernstichprobe für die Zuchtwertschätzung aufgebaut werden soll. In dem Zusammenhang sollen dann auch etliche zehntausend Tiere typisiert werden.
Vll sowas...
312er31.08.16 @ grimmig #
Wo hast den sowas gehört ? Wer soll die untersuchen und wann ?
schmu31.08.16 @ Llanes #
Llanes schrieb:

also die Holstein-Zuchtverbände wollen "Kuhvision" ins Leben rufen, wo eine Kuh-Lernstichprobe für die Zuchtwertschätzung aufgebaut werden soll. In dem Zusammenhang sollen dann auch etliche zehntausend Tiere typisiert werden.
Vll sowas...

Bei den Holsteins ist das Projekt bereits angelaufen. Hoffentlich bald auch bei Fleckvieh. Warum? Ganz einfach- genomische Zuchtwerte auf eine breitere Basis stellen.
HessenFleckvieh31.08.16 #
(Beitrag vom Autor bearbeitet am 01.09.16 um 22:49 Uhr.)
Auch wenn es hier manche nicht wahr haben wollen: Genomik wirkt! Nach 7 Jahren bei den Holsteins und 5 Jahren laufender Betrieb bei Fleckvieh kommt nun ein erwarteter, aber "unliebsamer" Nebeneffekt zum tragen. Die Basis der nachkommengeprüften Bullen (genomisch selektiert seit 2011) verschiebt sich deutlich nach "rechts" in den positiven Bereich und bildet nicht mehr die gesamte Population ab. Das ist gut für die Züchter, die allermeisten Jungvererber liefern gute bis sehr gute Nachzucht. Schlecht für die Zuchtwertschätzer, weil die frühere breite Streuung fehlt und dadurch die Sicherheit der Zuchtwerte abnimmt. Die Lösung besteht darin, die Basis der genomisch untersuchten Tiere deutlich zu expandieren, in dem man massiv weibliche Tiere typisiert und in die Lernstichprobe einbezieht. Dabei geht es um eine Beprobung der ganzen Breite, nicht um vorselektierte Jungrinder.
Das schon angesprochene Programm "KuhVision" wird im Holsteinbereich dazu benutzt, eine große Anzahl an Herden komplett zu typisieren, d.h. alle Kuhkälber dieser Betriebe werden typisiert, dann wird ihre Entwicklung begleitet, Leistung und Sekundärdaten erfasst, Kuh eingestuft usw..Auch Gesundheitsdaten sollen einfließen und in Zukunft noch viel stärker in die ZW eingebaut werden.
Vorteil: die Zukunft der genomischen Selektion wird gesichert, ZWs werden genauer und aussagekräftiger. Betriebe können die SNP-Ergebnisse nutzen, um Selektionsentscheidungen zu treffen und zu begründen.
Nachteil: der Preis. Das Typisieren von 200.000 Holsteinrindern in Deutschland kostet auch mit dem "billiegn" 3k-Chip immer noch 40-45€/ pro Tier. Das Geld soll aus verschiedenen Quellen kommen, einmal vom Landwirt, der einen Mehrwert erfährt (seine Tiere sind typisiert), einmal von den Stationen, die ihre Datenqualität absichern und vermutlich auch vom Staat, der dieses Pilotprojekt fördern wird.

Bei Fleckvieh bewegen wir uns in kleineren Maßstäben, aber genau in der gleichen Herausforderung, unsere Daten für zukünftige ZWs zu sichern. Ob nun das gleiche Modell zum Tragen kommt wie bei Holstein, steht noch nicht fest, das wird sich vermutlich bis Ende 2017 entscheiden. Ich vermute, dass sich im Bereich Fleckvieh eine große Lösung im Stile von KuhVision nicht durchführen lässt, dafür fehlt das Verständnis und die Begeisterung für die genomische Selektion in der Breite der Züchterschaft an der Basis. Außerdem ist der Anteil der weiblichen Kälber, die später eine 1. Laktation vollenden und zur Bewertung stehen können deutlich geringer, rein statistisch gehen mehr weibliche Tiere in die Mast und nicht in die Laktation als bei Holstein. Die Typisierung dieser Individuen ist ziemlich sinnlos, dadurch müsste wieder eine Vor-Selektion der Kandidaten erfolgen, die vom Prinzip her dem Grundgedanken der "Massentypisierung" widerspricht.

Eine Art "Kompromiss-Lösung" wurde von Mitarbeitern des Lfl schon bei Vorträgen skizziert: Eventuell könnte man von bereits bewerteten Töchter von Jungvererbern mit Leistungsdaten und auch Gesundheitsdaten SNP-Typisierungen durchführen, je Bulle 50 oder 100 Töchter. Das bringt dann zwar nocht nicht die Qualität einer unsortierten Probe von 50.000 oder 100.000 Tieren, aber dennoch einen Zugewinn an Daten und verschafft etwas Luft, um auf weitere Preissenkungen bei der Typisierung zu warten und irgendwann beim Ohrmarke-einziehen routinemäßig eine SNP-Typisierung (3k) aller Tiere mit Pedigree finanzieren zu können. (10€ in 2022??)

MfG, HFlv
grimmig01.09.16 @ HessenFleckvieh #
Danke Hessen Fleckvieh das Du dir immer wieder Zeit nimmst uns aufzuklären.
grimmig01.09.16 #
Mich würde interessieren , sind die gen Zw. bei Holstein und Fleckvieh vergleichbar , oder haben die Holsteins durch die größe der Population schon höhere Sicherheiten ?
maxp01.09.16 @ grimmig #
grimmig schrieb:

Mich würde interessieren , sind die gen Zw. bei Holstein und Fleckvieh vergleichbar , oder haben die Holsteins durch die größe der Population schon höhere Sicherheiten ?

Letzteres
doschdi01.09.16 #
Die grosse Gefahr ist halt die Industrie kauft die genom. Höchsten Wbl. Und die Landwirte sind raus aus der Zucht.
HessenFleckvieh01.09.16 @ grimmig #
grimmig schrieb:

Mich würde interessieren , sind die gen Zw. bei Holstein und Fleckvieh vergleichbar , oder haben die Holsteins durch die größe der Population schon höhere Sicherheiten ?

Holstein hat höhere Sicherheiten in der genomischen Selektion, weil die sogenannte "Lernstichprobe" viel größer ist. Ähnlich gravierend wirkt sich aber auch der höhere Inzuchtkoeffizient aus, da praktisch jede Holsteinkuh mit jeder eng verwandt ist, lässt sich der Zuchtwert genauer schätzen, die Vielfalt der Gene ist eben eingeschränkt. Das ist dann auch der Grund dafür, dass die genomischen Werte bei Braunvieh besser funktionieren als Bei Fleckvieh, der Inzuchtgrad bei BV ist nochmal höher als bei Holstein. So wird die im Vergleich zu Fleckvieh kleinere Lernstichprobe mehr als kompensiert.

Nichts desto Trotz sollten wir bei unserer Rasse die genetische Vielfalt erhalten, das sichert die Zukunft der Zucht!

MfG, HFlv