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landlive.de

Forum: Fleckvieh

Weiß jemand genaueres ?
Karl08.09.16 #
Morgen zusammen,

zu Etoscha und Mahango, auch diese beiden haben den Prüfeinsatz ganz normal abgeschlossen. Und wurden dann etwas zeitversetzt wieder angeboten. Wie bei allen BG Vererbern. Ab dann haben die Züchter sich bewusst für beide Bullen entschieden und bestellt und bestellen immer noch. Dass beide Geld bringen hat niemand in Abrede gestellt. Auch preislich wurden sie vermarktet wie immer. Also alles so wie bei jedem!

Zur Genomischen und "normalen ZWS", hier glaube ich scheiden sich die Geister nach wie vor. Die einen dafür und die anderen dagegen.
Ein derzeit großes Problem bei den auflaufenden Stieren ist die Tatsache, dass die Genomik zu lange Einfluss hat. Auch wenn schon 30, 40, 50 Töchter da sind und eine deutliche Tendenz abgeben, federt die Genomik zu stark ab, d h. Veränderungen werden nicht so deutlich sichtbar. In der Folge steigen die Bullen noch ganz gut ein und verlieren bei allen weiteren Schätzterminen. Der Station ist es aber egal, da sie ihn 1, 2 Termine vermarkten konnte. Siehe auch diese Schätzung und es werden auch noch viele folgen.

Zum Zuchtfortschritt. Findet der wirklich auf den Betrieben statt? Oder doch nur auf den Papier? Keine Ahnung. Die guten Betriebe haben nach wie vor gute Tiere und die mittelprächtigen ihre normalen.
Der Fortschritt kann auf keine Zahl aufgehängt werden, also ist er nicht reell ersichtlich.
Meiner Meinung nach tritt die FV Zucht derzeit auf der Stelle. Wenn man sich anschaut was im Dez wieder mit einigen stark eingesetzten Genomik Bullen passieren wird, tut man sich schwer an Fortschritt zu glauben.

Schönen Tag, Karl
HessenFleckvieh schrieb:

Zum Thema Outcross:
Der starke und wertvolle Outcrossbulle von heute (zB Hutera) ist das Blutführungsproblem von morgen! In 3 oder 5 Jahren werden wir nach Hutera-freien Pedigrees suchen. Aber das ist halt so, die Holsteins kennen das vom Bullen Planet.
Bestimmte Linien (Fernpass, Planner, Boss) werden vermutlich nie wieder die ganz große Bedeutung bekommen und immer ein Stück weit vom Prädikat "linienalternativ" leben. Ich finde es gut, dass sie weitergeführt werden, muss aber damit nicht die halbe Population besamen.

Zum Thema weibliche Lernstichprobe:
Es geht nicht darum, damit große Erwartungen zu befriedigen, es geht einfach um die Zukunft der Genomik. Und das aus der rein "populationsgenetischen Sicht", also damit die Zuchtwertschätzer auch 2020 und 2025 Zuchtwerte hinbekommen. Und eben nicht nur die Genomics, sondern alle Zuchtwerte. Vielleicht liegt hier eine ganz große Fehleinschätzung der Genomics-Kritiker, sie denken dass genomische Zuchtwertschätzung und Nachkommen-basierte Zuchtwertschätzung völlig unabhängig voneinander funktioniert. Das ist falsch!! Beide Systeme sind miteinander verwoben, die Weiterentwicklung der genomischen Lernstichprobe sichert die gesamte Zuchtwertschätzung!

Zur Finanzierung:
Geld ist schon da! Letztlich liegt es an den Prioritäten, für Fleckvieh wäre es denkbar, die Kosten auf Verband-Station-Landwirt-Staat aufzuteilen. Wenn die Analyse vom eigenen Institut durchgeführt wird, dann gibts bei den Kosten erstens Einsparungen durch die Weiterentwicklung, Einsparungen durch höhere Untersuchungszahlen und schliesslich Gestaltungsspielräume durch die Gesellschafter.

MfG, HFlv


Genau darin, sehe ich auch das Problem...
Das wir irgendwann zu viel Hutera in den Blutlinien haben und nach Alternativlinien suchen.
und das wiederum der Inzuchtkoeffizient auch in der Fleckviehzucht steigt.

Deshalb sollten wir in der Fleckviehzucht auf Vielfalt achten und sie befürworten!

Liebe Grüße
steffi
altilla09.09.16 @ HessenFleckvieh #
Klassische Zuchtwertschätzung ist ohne Genomik zurechtgekommen, ob sie ohne Genomik heutzutage noch klar kommen würde, wage ich zu bezweifeln. Rein subjektiv entsteht bei mir der Eindruck, dass die "Disziplin", die Struktur schwächer wird, die den klassischen Prüfstiereinsatz früher effizient machte. Natürlich liegt es daran, dass einzelne Jungvererber viel stärker als sonst die PBs eingesetzt werden und damit Kühe "besetzen", aber es gibt auch noch andere Gründe. Bei uns zum Beispiel der verstärkte Export von Fleckvieh (zweistellige Zuwachsraten jedes Jahr). Die MLP-Daten aus der Türkei sind für mich (noch) unerreichbar. Aber begrenzte 1.000 EBs mit einem Testbullen würden heute nicht mehr zu einer Töchtergruppe mit 100Tg-Leistung und Exterieurbewertung reichen, die für die NK-Zuchtwertschätzung groß genug wäre.
Insgesamt gesehen macht es keinen Sinn, die eine Methode gegen die andere auszuspielen. Ich plädiere für den ausgewogenen Einsatz von NK-geprüften Stieren und Jungvererbern, ich bin dafür, dass die Stationen die Bullen klar kennzeichnen/kommunizieren und die Wahl den Züchtern überlassen. Aber das der Einsatz junger Jungvererber in der Konsequenz den größten Fortschritt bringt, muss heute nicht mehr angezweifelt werden. Ob dies das Ziel eines jeden Züchters sein muss, ist ein anders Thema.

Diese Aussage kann ich logisch nicht ganz nachvollziehen. Genomische Zuchtwerte haben auch heute nur eine Sicherheit von weniger als 10 Töchterleistungen, gerade bei GJV, deren Väter noch keine Nachkommensleistungen haben, ist die Sicherheit nur die von vielleicht drei Töchtern! Die Genomik lebt und stirbt momentan von der Nachkommensprüfung, selbst wenn man die Genomisierung der weiblichen Tiere vorantreibt läuft es über die selben Systematiken der Verwandtenmatrix. Die SNPs sind nur ein kleiner Zusatz, siehe Sicherheiten der Zuchtwerte.
Wenn ich von 1000 EBs ausgehe dann habe ich schlechtestenfalls 200 wbl. Kälber und vielleicht 100 Töchterleistungen, zumal die MLP-Kuhzahl sich beim Fleckvieh in den letzten Jahrzehnten nicht sehr stark verändert hat. Das sollte reichen, zumal nicht jeder Bulle massiv eingesetzt wird.
Der klassische Zuchtwertansatz behauptet ja seit 30 Jahren, dass er die Verzerrungen durch den ungleichen Bulleneinsatz herausrechnen kann. Die Realität sieht wohl anders aus, was man schon oft gesehen hat. Aber das ist ein Problem der gesamten Zuchtwertschätzung, da die Genomik nach wie vor nur ein Zusatz zur Verwandtenmatrix darstellt und nichts eigenständiges ist. Hier offenbart sich eine Schwäche des gesamten Systems.
Unabhängig davon hat natürlich die genomische Zuchtwertschätzung wirtschaftliche Vorteile und einen höheren Zuchtfortschritt gebracht, hauptsächlich durch die Verringerung des Generationsintervalls. Aber das muss man völlig unabhängig von der Frage sehen, ob die klassische Zuchtwertschätzung ohne Genomik noch hervorragend funktionieren würde.
Sollte die Genomik wirklich einmal rasseübergreifend funktionieren, sieht die Welt natürlich wieder ganz anders aus.
HessenFleckvieh10.09.16 #
(Dieser Beitrag wurde am 11.09.16 um 09:23 vom Autor gelöscht.)
HeinrichB10.09.16 #
Der Hessenfleckvieh ist einfach einer der hier viel Licht ins Dunkel bringt.
Bernhard00718.07.17 #
Gibt's hier eine Aktuellen Stand?
Jungzuechter22.12.17 #
Hab gehört bei der Finanzierung ist man einen entscheidenden Schritt weiter und im April werden schon die ersten Herden typisiert sein.
Kann das jemand bestätigen? Weiß jemand schon mehr?
Jungzuechter schrieb:

Hab gehört bei der Finanzierung ist man einen entscheidenden Schritt weiter und im April werden schon die ersten Herden typisiert sein.
Kann das jemand bestätigen? Weiß jemand schon mehr?

Da musst du unterscheiden zwischen AT und D!
AT: Die Kuh ist vom Eis! Die Förderung (staatl. Mittel im 7stelligen Bereich) der weiblichen Lernstichprobe ist genehmigt, hinter den Kulissen wird mit Hochdruck an der Umsetzung gearbeitet. Das wird auch im ersten Quartal 2018 entsprechend veröffentlicht werden. Bei aller (berechtigter!) Kritik an der neuen Regierungskoalition: Frau Köstinger ist sehr gut in der Rinderzucht vernetzt und bestens aufgestellt, da geht was!
D: Die Kuh zappelt noch. Bisher ist man sich einig, dass es ein Projekt geben wird. Es gibt auch schon eine Arbeitsgruppe dazu, aber es ist nicht damit zu rechnen, dass es nun ganz fix geht. Wir sind halt nicht in Österreich. Großes Fragezeichen steht natürlich noch beim Thema Finanzierung. Aber die Entwicklung im südlichen Nachbarland erhöht den Druck auf alle Beteiligte, und das ist vermutlich auch gut so. Es wäre schon peinlich, wenn wir irgendwann strukturell hinter Tschechien oder Italien zurückfallen, nur weil wir uns nicht zusammenraufen können. Es wäre schön, wenn einzelne "Influencer" darauf verzichten würden, die weibl. Lernstichprobe in öffentlichen Interviews zu torpedieren.

MfG, HFlv
Die Deutschen müssen noch immer verhandeln!

Können wir uns jetzt schon über die Vorgehensweise unterhalten?
Wird bei Einstieg der gesamte Geburtsjahrgang 2017 typisiert oder 2016 auch noch damit man schneller abgleiche hat? Sind die Züchter bereit ihre trächtigen Kalbinnen zu typisieren?
Mit welchem Alter wird die Typisierung empfohlen?
Jungzuechter schrieb:

Die Deutschen müssen noch immer verhandeln!

Können wir uns jetzt schon über die Vorgehensweise unterhalten?
Wird bei Einstieg der gesamte Geburtsjahrgang 2017 typisiert oder 2016 auch noch damit man schneller abgleiche hat? Sind die Züchter bereit ihre trächtigen Kalbinnen zu typisieren?
Mit welchem Alter wird die Typisierung empfohlen?

Wenn wir uns an dem durchaus erfolgreichen Modell "KuhVision" aus dem Holstein-Bereich orientieren, dann werden in teilnehmenden Betrieben alle Jungtiere typisiert, vom Kalb bis zur hochtragenden Kalbin. Und im laufenden Verfahren die Kuhkälber kurz nach der Geburt ("sobald der Kopf draußen ist, kann ich mit der Zange dran...").
Viel wichtiger als die Frage des richtigen Alters ist die Frage nach dem richtigen Betrieb. Es macht Sinn, wenn die typisierten Kälber später nicht alle in die Türkei verschwinden oder auf Nachbars-nichtMLP-Betrieb. Wir bekommen nur einen Mehrwert aus dem System, wenn möglichst viele Typisierungen später mit realen Daten vom selben Tier verglichen werden können, d.h. Leistungen aus der MLP, Melkbarkeit, Exterieureinstufungen, Gesundheitsdaten aus MLP, Pro Gesund und Klauenpflege-Datei, evtl. Daten aus dem AMS...
Das wird nicht immer und sofort überall verfügbar sein, aber sollte als Ziel vor Augen stehen. Daraus resultiert aber auch, dass beim Typisieren der Kälber nicht selektiert wird, es darf nicht sein, dass nur die besten 10% des Betriebes das Loch ins Ohr bekommen. Die weibliche Lernstichprobe muss möglichst die gesamte Streubreite der Population abbilden.
Ich bin nicht Chef, aber mir schwebt vor, dass besonders kooperative Betriebe (zB Pro Gesund Betriebe) mit guter Datengrundlage die Typisierung als solche spürbar subventioniert bekommen. Das erhöht die Begeisterug für beide Systeme.

MfG, HFlv