Zur Desktop-Version wechseln
landlive.de

Forum: Fleckvieh

Weiß jemand genaueres ?
HessenFleckvieh schrieb:

Wenn wir uns an dem durchaus erfolgreichen Modell "KuhVision" aus dem Holstein-Bereich orientieren, dann werden in teilnehmenden Betrieben alle Jungtiere typisiert, vom Kalb bis zur hochtragenden Kalbin. Und im laufenden Verfahren die Kuhkälber kurz nach der Geburt ("sobald der Kopf draußen ist, kann ich mit der Zange dran...").
Viel wichtiger als die Frage des richtigen Alters ist die Frage nach dem richtigen Betrieb. Es macht Sinn, wenn die typisierten Kälber später nicht alle in die Türkei verschwinden oder auf Nachbars-nichtMLP-Betrieb. Wir bekommen nur einen Mehrwert aus dem System, wenn möglichst viele Typisierungen später mit realen Daten vom selben Tier verglichen werden können, d.h. Leistungen aus der MLP, Melkbarkeit, Exterieureinstufungen, Gesundheitsdaten aus MLP, Pro Gesund und Klauenpflege-Datei, evtl. Daten aus dem AMS...
Das wird nicht immer und sofort überall verfügbar sein, aber sollte als Ziel vor Augen stehen. Daraus resultiert aber auch, dass beim Typisieren der Kälber nicht selektiert wird, es darf nicht sein, dass nur die besten 10% des Betriebes das Loch ins Ohr bekommen. Die weibliche Lernstichprobe muss möglichst die gesamte Streubreite der Population abbilden.
Ich bin nicht Chef, aber mir schwebt vor, dass besonders kooperative Betriebe (zB Pro Gesund Betriebe) mit guter Datengrundlage die Typisierung als solche spürbar subventioniert bekommen. Das erhöht die Begeisterug für beide Systeme.

MfG, HFlv

Dass in etwa die 20% Schwächeren entweder beim Besamen, in der Aufzucht oder als Jungkuh aussortiert werden, wird sich nicht vermeiden lassen, vor allem wenn dieses System die Gesundheit und Langlebigkeit der Herde stärkt.
Preislich scheint das Projekt ganz akzeptabel zu sein.
Ich hoffe vor allem auf eine genauere Vorschätzung der Melkbarkeit!
Alle Erstkalbskühe von 2017 auch mitzutypisieren, würde hald nicht die ganze Breite der Population abbilden?
Jungzuechter22.12.17 #
Wie schnell greift das? MBK schon 2018?
Wenn ab April 2018 in teilnehmenden Betrieben nur noch typisierte Tiere abkalben, sind in der August oder Dezemberzuchtwertschätzung schon höhere Sicherheiten zu erwarten?
Gibt es bei den Stationen nicht die Befürchtung, dass einige Hochgenomische ordentliche Verluste hinnehmen müssen?
Lg
Special_Trick22.12.17 #
Schade das wir Deutschen da so stolpernd vorankommen. Aber es sind nicht alle so.
Wir haben selbstständig schon vor zweieinhalb Jahren angefangen die komplette Nachzucht zu genotypisieren, jetzt kommen die ersten typisierten Tiere zur Kalbung. Aktuell sind etwas mehr als die Hälfte der Tiere am Betrieb untersucht.
Seit etwa einem Dreivierteljahr selektieren wir auch auf Typisierung, weibliche Tiere die von den Werten her nicht zufriedenstellend sind, wandern auf den Kälbermarkt.
Was ich schon sagen kann: Die Kälber/Jungtier- Qualität hat sich mit steigenden Zuchtwerten deutlich gebessert. Es ist auffällig, die Tiere wachsen durchweg sehr gut und das Exterieur passt. Das finde ich sehr interessant. Da gab es früher viel mehr Unterschiede. Jetzt sind die Jungtiere sehr homogen. Allerdings wird auch sehr darauf geschaut, schon im frühesten Kälberalter.
Kälber mit starken Mängeln verlassen den Betrieb.
Die Alttiere komplett zu typisieren, darauf haben wir verzichtet, auch aus Kosten/Nutzen-Gründen. Einzeltiere haben genomische Werte.
Für mich kommt jetzt die persönliche Erfahrung- wie passt das genomische Papier und die Realität zusammen, das wird spannend und auch sehr lehrreich.

HessenFleckvieh schrieb:

Viel wichtiger als die Frage des richtigen Alters ist die Frage nach dem richtigen Betrieb. Es macht Sinn, wenn die typisierten Kälber später nicht alle in die Türkei verschwinden oder auf Nachbars-nichtMLP-Betrieb. Wir bekommen nur einen Mehrwert aus dem System, wenn möglichst viele Typisierungen später mit realen Daten vom selben Tier verglichen werden können, d.h. Leistungen aus der MLP, Melkbarkeit, Exterieureinstufungen, Gesundheitsdaten aus MLP, Pro Gesund und Klauenpflege-Datei, evtl. Daten aus dem AMS...
Das wird nicht immer und sofort überall verfügbar sein, aber sollte als Ziel vor Augen stehen. Daraus resultiert aber auch, dass beim Typisieren der Kälber nicht selektiert wird, es darf nicht sein, dass nur die besten 10% des Betriebes das Loch ins Ohr bekommen. Die weibliche Lernstichprobe muss möglichst die gesamte Streubreite der Population abbilden.
Ich bin nicht Chef, aber mir schwebt vor, dass besonders kooperative Betriebe (zB Pro Gesund Betriebe) mit guter Datengrundlage die Typisierung als solche spürbar subventioniert bekommen. Das erhöht die Begeisterug für beide Systeme.

MfG, HFlv


Das finde ich eine sehr gute Idee mit ProGesund zu koppeln! Wann und wo kann man sich als Betrieb bewerben?
Wie hoch wird die Zuzahlung pro Tier sein?

Österreich ist uns wieder wie in so vielen Dingen meilenweit vorraus!
maxp22.12.17 #
"Die Simulationsergebnisse zeigen jedoch deutlich, dass die Töchterauswahl zufällig erfolgen muss und nicht aus selektierten besseren Töchtern bestehen darf, da ansonsten Verzerrungen bei der Schätzung der genomischen Zuchtwerte auftreten. " (LfL, Zukunftswege)

Das schließt wohl aus, dass sich besonders gute, kooperative Zuchtbetriebe in einem Bewerbungsverfahren dafür bewerben können, da die zufällige Auswahl dann eben nicht mehr gegeben ist. Um die Bereitschaft bei allen Beteiligten zu erhöhen sollte die Typisierung wenn dann mMn. schon komplett übernommen werden. Als Gegenwert steht ja die Chance auf zusätzliche Zuchtwerte und hohe Sicherheiten genomisch vorgeschätzter Bullen in einer Vielzahl, dass die hohen Versteigerungssummen der Vergangenheit angehören werden.
HessenFleckvieh22.12.17 @ maxp #
Es wird im Rahmen der weibl. Lernstichprobe immer eine Art von Selektion geben, egal wie man es organisiert! Im Holstein-Projekt "KuhVision" werden die Untersuchungskosten von den Verbänden/Stationen subventioniert, dafür müssen aber bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, zum Beispiel beim Bezug des Spermas und bei der Datenlieferung. Es ist eine Utopie, dass die Stationen per Gießkannenprinzip für alle Kuhkälber die Typisierung voll bezahlen werden. Wer die ganze Rinderzucht kennt, der weiß wo im System welche Margen realisiert werden. Also müssen die Lasten gleichmäßig verteilt werden.
Und nochmal: ohne Kombi von Typisierung und Datenlieferung gehts nicht! Also ist der Ansatz "ProGesund" gar nicht so schlecht, es heißt ja nicht, dass es exklusiv für diese Betriebe ist.

MfG HFlv
maxp22.12.17 #
Hört sich vernünftig an ich bin gespannt
altilla22.12.17 @ HessenFleckvieh #
Viel wichtiger als die Frage des richtigen Alters ist die Frage nach dem richtigen Betrieb. Es macht Sinn, wenn die typisierten Kälber später nicht alle in die Türkei verschwinden oder auf Nachbars-nichtMLP-Betrieb. Wir bekommen nur einen Mehrwert aus dem System, wenn möglichst viele Typisierungen später mit realen Daten vom selben Tier verglichen werden können, d.h. Leistungen aus der MLP, Melkbarkeit, Exterieureinstufungen, Gesundheitsdaten aus MLP, Pro Gesund und Klauenpflege-Datei, evtl. Daten aus dem AMS...

Dann würden aber viele Betriebe, die gesunde und langlebige Kühe haben und folgedessen viele Kälber bis Jungkühe verkaufen können, rausfallen. Das wäre auch nicht im Sinne des Erfinders..
Da muss man wohl einen guten Mittelweg finden, und das dürfte auch nicht einfach sein.
Jungzuechter22.12.17 #
(Dieser Beitrag wurde am 22.12.17 um 22:10 vom Autor gelöscht.)
(Beitrag vom Autor bearbeitet am 22.12.17 um 22:20 Uhr.)
Danke!
Damit's etwas präziser wird ich hab von knapp 20€ je Typisierung gehört, die vom Züchter zu bezahlen sind!
Ab Jänner wird es dann intensiv beworben, dann kenne ich alle Details.